RSS-Feed

Schlagwort-Archive: Chile

Patagonien Teil 1

Veröffentlicht am
Patagonien Teil 1

Buen día!

Ursprünglich wollte ich über meine Patagonienreise in einem langen Artikel schreiben, da ich aber feststelle, dass das zu viel wird und ich ausserdem seit fast nem Monat schon wieder zurück bin und immer noch nichts gepostet habe, werde ich den Artikel in zwei Teile unterteilen. Das hier ist der erste in dem es hauptsächlich um die ersten zwei Tage in Punta Arenas geht und mal gucken, wann ich es schaffe, den zweiten zu schreiben. 😀

Ich bin Sonntagnacht (2.11.) von meiner Reise ans Ende der Welt zurück gekommen und ich kann sagen, dass Patagonien wirklich wunderschön war. Meine Shorts und kurzärmeligen T-Shirts sind wie erwartet im Koffer geblieben und ich habe mir teilweise gewünscht, ich hätte Arktis-erprobte Kleidung mitgenommen. Nein, das war nur ein Scherz. Es war zwar WIRKLICH kalt und die kurzen Sachen habe ich WIRKLICH nicht getragen, aber mit der Kleidung die ich mitgenommen habe-und die, die mir geliehen wurde- habe ich Frostbeulen zum Glück gerade noch vermeiden können. Was aber kein Scherz war, war die Zahl an Fotos. Erinnert ihr euch, dass ich im letzten Post geschrieben habe, dass ich mit tausenden von Fotos wiederkommen werde? Genau genommen  sind es 1.586. Zum Glück – mehr oder weniger, weil das für mich auch gleichzeitig mehr Arbeit bedeutet- muss ich daraus noch etliche aussortieren, die entweder unscharf sind oder deren Motive gefühlte hundert Mal vorkommen.

Jetzt will ich euch aber auch mal erzählen, was wir so gemacht und gesehen haben.

Am Montagmorgen beginnt alles damit, dass 40 völlig übermüdete, zombiegleiche, aber trotzdem aufgeregte Austauschschüler ins Flugzeug mit dem Ziel Punta Arenas steigen. Der Flug hat ca. 3 Stunden gedauert, obwohl ich nicht viel damit mitbekommen habe, da ich die Zeit mit Musik hören und schlafen verbracht habe. Kurz vor der Ankunft gab der Pilot per Durchsage durch, dass wir uns gerade über dem Nationalpark Torres del Paine befänden, was nicht nur uns Austauschschüler sondern auch viele andere Passagiere dazu brachte, sich aus ihren Sitzen zu lehnen und irgendwie mit den komischsten Verrenkungen einen kurzen Blick durchs Fenster ihrer Sitznachbarn zu erhaschen. Da es aber fast komplett bewölkt war, war alles was man sehen konnte die dunklen Umrisse der Berge. Ein paar Minuten später wurden wir von den Luftlöchern erstmal ganz schön durchgeschüttelt. Dann sahen wir aber schon Punta Arenas und ne ganze Menge Wasser unter uns und als unser Sitznachbar nach anfänglich mürrischen Blicken meine und die Aufregung meiner Sitznachbarin – eine Austauschschülerin aus den USA- bemerkte, erklärte er uns, dass wir gerade über die Magellanstraße flögen und der Pilot das Flugzeug jetzt nur noch um 180 Grad drehen müsse, bevor wir landen würden. Vom Flughafen aus brachte uns der wirklich überaus freundliche Busfahrer Carlos, der uns während der nächsten Tage auch in den Nationalpark begleiten sollte, mit unserem Reiseleiter Alejandro zum Hotel. Alejandro war wirklich der beste Reiseleiter überhaupt. Egal um wie viel Uhr wir morgens aus dem Bett mussten- ob 6, 7, oder 8 Uhr- und egal wie eisig kalt das Wetter war, irgendwie war er immer voller Elan und hat es immer geschafft uns zu motivieren.

Die ersten zwei Tage sind wir in Punta Arenas geblieben und haben die Stadt ein bisschen besser kennengelernt. Der Stil der Häuser und so wirkt für mich wie eine Mischung aus skandinavischer Gemütlichkeit, stürmischem Nordseewetter und ein Hauch von Alaska- ich muss dazu sagen dass ich noch nie in Skandinavien oder Alaska war, aber so stelle ich es mir zumindest vor.

Wir haben uns die Stadt von einem Aussichtspunkt aus angeguckt, da man von dort besser die bunten Dächer bewundern kann. Mir ist schon früh aufgefallen, dass die Chilenen anscheinend auf bunte Häuser stehen, da das eine Möglichkeit ist, die Häuser, die man in Deutschland wahrscheinlich für eine Gartenhäuschen in einer Schrebergartenanlage halten würde, aufzuhübschen. Die Farben sind manchmal aber ein bisschen fragwürdig.

SAMSUNG CSC

Natürlich haben wir auch den Platz von Punta Arenas besucht (mir fällt jetzt grade beim schreiben erst mal auf, wie komisch sich das auf deutsch anhört. Plaza de Punta Arenas klingt irgendwie harmonischer). Um den Platz herum stehen kleine Holzwagen die zu Verkaufsständen umgebaut werden können. Es werden viele Wollprodukte wie Pullover, Jacken, Handschuhe und Mützen verkauft, viele davon sind aus Alpakawolle. Ansonsten natürlich die üblichen Souvenirs wie Schlüsselanhänger, Flaschenöffner, Magnete…usw.

SAMSUNG CSC SAMSUNG CSC

In der Mitte des Platzes steht eine riesige Statue mit Indianern und Soldaten. Dabei fällt auf, dass der Fuß des einen Indianers erstaunlich Gold/kupferfarben ist,während der Rest der Statue schwarz ist. Bevor ich nach Punta Arenas geflogen bin, hat mir eine Frau, mit der ich morgens zur Schule fahre und die schon in Punta Arenas gelebt hat, erzählt, dass man sagt, dass diejenigen, die den Fuß des Indianers küssen, nach Punta Arenas zurückkehren werden. Gott sei Dank hat sie mir aber auch erzählt, dass einige Bewohner aus Punta Arenas, meist betrunken nach einer Carrete (chilenisch für Fiesta), sich einen Spaß daraus machen und auf den Zeh pinkeln, weshalb ich ihn lieber nicht küssen sollte. Es ist also bei einem Gruppenfoto vor dem Indianer geblieben.

SAMSUNG CSC

In kleinen Gruppen konnten wir mit ausgeliehenen Mountainbikes die Stadt alleine erkunden (ja, es war freiwillig und JA!!! ICH HABE SPORT GEMACHT!!!). Wir (vier Deutsche, eine Kanadierin und ein Holländer) sind bis ganz nach oben gefahren. Irgendwie sind alle Städte hier in Chile, die ich bisher gesehen habe an Hügeln gebaut. Wir waren danach zwar alle total müde und fertig aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht.

IMG_8392

Mit Hanna (Mitte) bin ich hinterher noch weiter am Strand gefahren, bis ich später fast zusammengebrochen bin (zu meiner Verteidigung: wir hatten starken Gegenwind auf dem Rückweg! 😀 )

IMG_8396

Am zweiten Tag in Punta Arenas sind wir zu einem Ort gefahren, der „Fuerte Bulnes“ heißt. Es ist ein Stützpunkt, den der Präsident Manuel Bulnes 1843 errichten ließ, um seine Macht in Patagonien und über die Magellanstrasse zu sichern. Während der Führung wurde uns erzählt, dass die Region für die Menschen allerdings äußerst lebensfeindlich ist, da der Stützpunkt 1. auf einem Felsen errichtet wurde, von dem aus man fast einen Rundumblick über die Magellanstrasse hat, jedoch wächst auf Stein natürlich nichts. Ausserdem war der Südwind eiskalt, da der ja vom Südpol kommt. An dem Tag an dem wir da waren, kam der Wind von Norden, es war also der warme Wind, aber wir haben trotzdem alle gezittert vor Kälte. Um zu überleben, haben die Siedler Kleidung und Metall gegen Nahrung mit den Ureinwohnern getauscht.

SAMSUNG CSC SAMSUNG CSC

Fuerte Bulnes

Das war’s dann auch erstmal. Der zweite Teil kommt in den nächsten Tagen nach (wenn ich das schaffe, weil ich in der nächsten Woche in 4 Tagen 5 Arbeiten schreibe und ausserdem übers Wochenende noch ne Analyse für Lenguaje (Spanisch) schreiben muss, aber ich geb mein Bestes, versprochen!!!)

 

Bienvenida a Chile!

Veröffentlicht am
Bienvenida a Chile!

Nachtrag vom 23. und 24.08.2014
Hola a todos!
Ich schreibe heute das erste Mal aus Chile!!! Jetzt schon mal Entschuldigung dafür, dass dies hier ein sehr langer Beitrag wird, ich hoffe ihr lest es trotzdem.
Der Tag meines Abflugs hat leider sofort mit einem Abschied begonnen, denn an dem Tag war für Manu das erste Rotary Treffen mit allen Inbounds im Distrikt 1900 angesagt und das fing schon ziemlich früh an. Sie konnte mich also leider nicht mit zum Flughafen begleiten, dafür sind aber zwei meiner besten Freundinnen mitgekommen. Zum Abschied hab ich von Manu noch nen Brief bekommen, den ich aber erst im Flugzeug öffnen durfte. Vielen Dank dafür, Manu, ich hätte fast angefangen zu weinen 😥
Meine Cousine und mein Onkel waren auch noch mal da, sodass ich mich auch von ihnen für ein Jahr verabschieden konnte.
Ich musste morgens ausserdem meinen Koffer nochmal fast komplett auspacken und neu packen, da ich zwar zwei Gepäckstücke mitnehmen durfte, die durften aber zusammen nur 23kg wiegen und glaubt mir, für ein Jahr ist das extrem wenig! Allein die Gastgeschenke und Buttons für die anderen Outbounds haben schon knappe 8kg gewogen und dazu kommen dann nochmal 3kg Leergewicht des Koffers. Übrig blieben also nicht mehr als 12kg, ich musste am Flughafen später übrigens auch nochmal Sachen auspacken, da ich immer noch 2 1/2kg Übergepäck hatte, sodass einige der eigentlich dringend benötigten Winterpullover zu Hause bleiben mussten, und dass, obwohl es hier gerade noch Winter ist.
Mit gepacktem Koffer, einem Reiserucksack, meinem Handgepäck und natürlich meinem Rotary Blazer, haben wir uns dann auf den Weg nach Frankfurt a.M. gemacht, wo ich mich dann mit den anderen Outbounds aus ganz Deutschland getroffen habe.
Wir hatten noch ein wenig Zeit vor dem Abflug und haben dann noch nen Kaffee getrunken.
Dann stand aber auch schon der Abschied von meiner Mama, Oma und meinen Freunden bevor und das war wirklich nicht einfach. Ich musste fast weinen, konnte mich aber noch zusammenreißen. Auf dem Weg zur Sicherheitskontrolle hab ich mich die ganze Zeit gefragt, was ich da überhaupt mache, besonders, da ich in den letzten Tagen und Wochen vor meinem Flug große Zweifel hatte, ob ich wirklich das Richtige tue. Sobald die Familie aber außer Sicht war und ich durch die Sicherheitskontrolle gegangen war, ist dieses Gefühl verschwunden.
Bevor wir ins Flugzeug gestiegen sind, hab ich dieses Foto gemacht:
IMG_7047

Der Flug nach Madrid war relativ schnell und wir mussten zwar das Flugzeug verlassen, konnten aber nach ca. 20 Min. wieder in das Gleiche einsteigen. Der Flug nach Santiago de Chile war da schon was anderes, denn wir sind ca.16 Stunden geflogen. Für mich, deren längster Flug ne Stunde nach London war, war das zwar zunächst sehr aufregend, dann aber auch schnell langweilig.

Kurz vorm Landen hingen wir dann alle an den Fenstern. Es war zwar noch dunkel, da wir so gegen 7 Uhr morgens gelandet sind und es in Chile noch Winter ist, also erst später hell wird, aber der Blick auf Santiago war einmalig und erst da wurde mir klar, wie riesengroß diese Stadt wirklich ist. Wir mussten dann alle noch durch die Passkontrolle, wo wir auch unsere Visumsunterlagen vorzeigen mussten und natürlich durch die Sicherheitskontrolle. Da sahen wir aber schon eine riesige Menge an Menschen mit Plakaten, die uns zuriefen, als sie sahen, dass wir die deutschen Austauschschüler waren.

Ich bin dann also total aufgeregt auf diese Menschenmasse zugegangen, immer nach einem bekannten Gesicht oder einem Plakat mit meinem Namen suchend, fand aber keines. Auch nach dreimaligem Hin- und Herlaufen war meine Gastfamilie nirgends zu sehen. Die riesige Vorfreude schlug dann auch ziemlich schnell in Angst um, da ich mir meine Ankunft in meiner Heimat auf Zeit so bestimmt nicht vorgestellt hatte. Nach 18 Stunden Flug und einem wahren Gefühlscocktail wollte ich eigentlich nur noch meine Gastfamilie kennenlernen und dann mein neues Zuhause erkunden. Um mich herum sah ich nur die anderen Austauschschüler, die ihre Gastfamilien schon gefunden hatten und mit Plakaten und Ballons und allem drum und dran empfangen wurden. Dann kam aber ein Rotarier auf mich zu, der mich fragte:“ Bist du Gianna?“ (Ich muss noch dazu sagen, dass hier niemand meinen Namen richtig aussprechen kann, also bin ich entweder Janna oder in der Schule werde ich von den Lehrern meistens Joanna genannt, aber daran habe ich mich in zwischen gewöhnt). Als ich dem Mann dann zustimmte, meinte er zu mir, dass er meine Gastfamilie gesehen habe und die mich bereits suchte. Ich hab dann also gespannt dort gewartet und dann sah ich auch schon jemanden mit einem grünen Plakat auf mich zukommen. Ein bekanntes Gesicht! Meine Gastmutter! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie überglücklich und erleichtert ich war! Hinter ihr kam dann noch eine Frau dazu, die beste Freundin meiner Gastmutter, bei der ich auch die ersten Tage gewohnt habe, da meine Gastmutter arbeiten musste und nicht wollte, dass ich den ganzen Tag alleine im Haus bin.

IMG_7620

Nach dem ersten Kennenlernen und unzähligen Fotos mit dem YEO und den anderen Austauschschülern in San Antonio, verließen wir also das Flughafengebäude und ich sah sofort den ersten chilenischen Straßenhund. Die sind hier wirklich überall, sind Menschen gegenüber aber erstaunlich freundlich, wie es scheint, sind sie aber keine großen Fans von Autos, da man immer wieder sieht, dass die Hunde versuchen, in sämtliche Teile des Autos zu beissen.

Das zweite was ich dann gesehen habe, waren die Anden! Ich war total sprachlos, da ich zwar wusste, dass Santiago in der Nähe der Anden liegt, aber ich wusste nicht, dass man einen so tollen Blick hat.

erster Schritt außerhalb des Flughafens in Santiago- erster Blick auf die Anden

erster Schritt außerhalb des Flughafens in Santiago- erster Blick auf die Anden

Die Anden sind in Chile einfach allgegenwärtig, genauso wie das Meer, wie ihr in den nächsten Posts und auch bei den Bildern feststellen werdet, aber genau deswegen war Chile mein erstes Wunschland- es ist so vielfältig und so wunderschön! Seitdem ich hier bin, habe ich meine Länderwahl kein einziges Mal bereut und ich glaube auch nicht, dass ich das jemals tuen werde.

So, das war jetzt erstmal alles zu meinem Abschied in Deutschland und meiner Ankunft hier in Chile.

Da ich im Moment ne Woche Ferien habe, da der Nationalfeiertag am 18.09. vor der Tür steht, und ich definitiv genug Material zum Schreiben habe, hoffe ich, dass ich bald schon wieder was posten kann.

Bis dahin: Saludos desde Chile y que estéis bien!