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Schuluniform, singende Lehrer & Co.

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Schuluniform, singende Lehrer & Co.

Nachtrag zum 28.08.2014

Vier Tage nach meiner Ankunft hier in Chile und dem ersten Eingewöhnen  stand nun mein erster Schultag bevor. Meine Schule hatte ich zuvor nur einmal im Vorbeifahren gesehen, hatte da aber eigentlich einen sehr guten ersten Eindruck. In den letzten Tagen hatten wir alle möglichen Bestandteile meiner Schuluniform zusammengesucht: vom Rock über Kniestrümpfe und Strumpfhosen zu den Schuhen. Die Jacke, den Pullover und die Unterziehshirts hatte meine Gastmama schon vorher organisiert. Ich stand also dann am Donnerstagmorgen zum ersten Mal in meinem ganzen Leben in einer grau-roten Schuluniform vor dem Spiegel. Zunächst habe ich mich ein bisschen unwohl gefühlt, vor allem, da ich in Deutschland so gut wie nie Röcke trage und nun sollte ich jeden Tag einen tragen? Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt und bin sogar ziemlich froh darüber, dass ich hier morgens nicht vor dem Schrank stehen muss und überlege, was ich heute anziehen soll. Ich ziehe einfach jeden Morgen das gleiche an, nur Montags gehe ich in Sportsachen zur Schule. Anders als in meiner deutschen Schule lässt man die Sportsachen dann auch einfach den ganzen Tag an. Jetzt im Winter ist das auch überhaupt nicht schlimm, ich frag mich nur, was man im Sommer nach zwei Stunden Sport macht?

Jedenfalls werde ich jeden Morgen zur Schule gebracht, entweder von meiner Gastmutter oder von einer Bekannten, deren Töchter auch dort zur Schule gehen. An meinem ersten Schultag mussten wir noch ein bisschen Papierkram erledigen, weshalb ich meiner Klasse ein wenig später vorgestellt wurde. Meine Klasse bestand zu dem Zeitpunkt aus 11 Personen, mit einer Schülerin die eine Woche später noch zu uns gewechselt ist und mir sind wir inzwischen 13, was im Vergleich zu meinen Kursen in Deutschland immer noch winzig ist. Es ist aber total schön mit so einem kleinen Kurs (wir sind an dieser Schule übrigens auch der Kurs mit den wenigsten Schülern) und ich glaube, dass es mir das Eingewöhnen und Integrieren auch viel leichter gemacht hat. Dazu muss ich jedoch sagen, dass ich glaube, dass das Eingewöhnen in Südamerika wohl kaum jemandem richtig schwer fallen kann, weil die Menschen viel aufgeschlossener sind und jeden sofort miteinbeziehen. Mir ist auch aufgefallen, dass sich alle total gefreut haben, dass ich schon Spanisch spreche, egal wie viele Fehler in meinen Sätzen waren, ich habe von jedem nur gehört, wie toll es doch ist, dass ich schon mehr oder weniger viel sprechen und verstehen kann. Das hat mir auch die Angst vorm Sprechen genommen, die ich in Deutschland in den Spanischstunden ab und zu hatte, sobald ich unsicher war.

Meine compañeras haben mir auch gleich die ganze Schule gezeigt und mir dabei geholfen, einen Stundenplan zu organisieren. Meine erste Stunde war übrigens Philosophie und ich war total überrascht, dass ich so gut wie alles verstanden habe. So geht es mir eigentlich in den meisten Fächern, mit den Ausnahmen Lenguaje (=Spanisch) und Physik. Das liegt aber daran, dass der Spanischlehrer, wenn er nicht grade singt oder tanzt, extrem schnell spricht und seine Schrift nicht sehr leserfreundlich ist und den Versuch, in Physik etwas zu verstehen habe ich schon vor zwei Jahren in Deutschland aufgegeben 😉

Mein Schultag dauert hier von 8 Uhr bis 16:30 Uhr von Montags bis Mittwochs, Donnerstags bis 13:50 und Freitags bis 14:35. Das ist eigentlich nicht weniger als in Deutschland, obwohl ich dachte, dass ich hier weniger Unterricht hätte, dafür ist der Stoff hier viel einfacher (ich verstehe zum ersten Mal seit langem Mathe!!!) und es kommt mir so vor, als würden weder die Schüler, noch einige Lehrer den Unterricht hier als wirklich wichtig betrachten. Vor meinem Austausch habe ich auf dem Blog einer anderen Austauschschülerin in Chile gelesen, dass in ihrer Klasse jemand nach einem Englischtest einfach eine Gitarre ausgepackt hat und angefangen hat im Klassenraum Gitarre zu spielen, während seine Mitschüler noch den Test schreiben. Als ich das gelesen habe, musste ich unglaublich lachen- bis mir das gleiche in meiner Klasse passiert ist. Zwar ist mein Mitschüler aus dem Raum gegangen, da die Glastüren zu den Klassenräumen jedoch nicht so viel Lärm abhalten, hat das dem Geräuschpegel nichts abgetan.

Auch das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist hier ganz anders als in Deutschland. Den Umgang der Schüler mit den Lehrern würde ich als einen Mix aus freundschaftlich und respektlos bezeichnen, das scheint die Lehrer aber nicht so sehr zu stören. Mein Englischlehrer, dessen Englisch übrigens überraschend gut ist, nachdem ich gehört hatte, dass die meisten Chilenen kaum Englisch sprechen, hat sich dazu überreden lassen, mit den Schülern ein Selfie zu machen- und lasst mich gar nicht erst von meinem Spanischlehrer anfangen! 😀

Ich muss aber sagen, dass hier wirklich alle extrem nett sind und ich bin mir sicher, dass das ein großer Teil des Grundes ist, weshalb ich kein Heimweh habe.

Bald gibt’s auch noch ein Bild meiner Schuluniform und das nächste Mal schreibe ich über mein Wochenende in Viña del Mar und Valparaíso.

Übrigens gab es gestern ein kleines Erdbeben! Wir saßen grade im Haus von Freunden als jemand zu mir sagt:“ Hast du das grade bemerkt? Als der Hund angefangen hat zu bellen? Das war ein kleines Erdbeben!“ Und sofort haben auch alle weiter geredet als ob nichts gewesen wäre! Ich habe übrigens GAR NICHTS davon bemerkt.

Naja, bis bald!

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