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Tagesarchiv: 15. September 2014

Sprachprobleme: Spanglish mit Deutsch?!

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Mir ist in den letzten Tage aufgefallen, dass ich so kleine Wörter wie „und“ und „aber“ immer auf Spanisch sagen will. Egal ob ich mit den anderen deutschen Austauschschülern oder einem Mädchen von den Bermudas rede, deren Muttersprache Englisch ist. Auch wenn mich jemand von ihnen etwas fragt , antworte ich jetzt völlig unabsichtlich mit „Sí“ oder „No“. Ihr könnt euch auch nicht vorstellen, wie schwierig plötzlich die deutsche Aussprache wird, besonders Wörter, die im Spanischen fast gleich sind wie im Deutschen, beispielsweise “ Schokolade“. Auf einmal hört es sich falsch an, das mit „d“ zu sagen und nicht wie im Spanischen mit „t“ (chocolate).
Wenn ich wieder in Deutschland bin, muss ich erstmal einen Deutschkurs besuchen! 😀

Schuluniform, singende Lehrer & Co.

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Schuluniform, singende Lehrer & Co.

Nachtrag zum 28.08.2014

Vier Tage nach meiner Ankunft hier in Chile und dem ersten Eingewöhnen  stand nun mein erster Schultag bevor. Meine Schule hatte ich zuvor nur einmal im Vorbeifahren gesehen, hatte da aber eigentlich einen sehr guten ersten Eindruck. In den letzten Tagen hatten wir alle möglichen Bestandteile meiner Schuluniform zusammengesucht: vom Rock über Kniestrümpfe und Strumpfhosen zu den Schuhen. Die Jacke, den Pullover und die Unterziehshirts hatte meine Gastmama schon vorher organisiert. Ich stand also dann am Donnerstagmorgen zum ersten Mal in meinem ganzen Leben in einer grau-roten Schuluniform vor dem Spiegel. Zunächst habe ich mich ein bisschen unwohl gefühlt, vor allem, da ich in Deutschland so gut wie nie Röcke trage und nun sollte ich jeden Tag einen tragen? Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt und bin sogar ziemlich froh darüber, dass ich hier morgens nicht vor dem Schrank stehen muss und überlege, was ich heute anziehen soll. Ich ziehe einfach jeden Morgen das gleiche an, nur Montags gehe ich in Sportsachen zur Schule. Anders als in meiner deutschen Schule lässt man die Sportsachen dann auch einfach den ganzen Tag an. Jetzt im Winter ist das auch überhaupt nicht schlimm, ich frag mich nur, was man im Sommer nach zwei Stunden Sport macht?

Jedenfalls werde ich jeden Morgen zur Schule gebracht, entweder von meiner Gastmutter oder von einer Bekannten, deren Töchter auch dort zur Schule gehen. An meinem ersten Schultag mussten wir noch ein bisschen Papierkram erledigen, weshalb ich meiner Klasse ein wenig später vorgestellt wurde. Meine Klasse bestand zu dem Zeitpunkt aus 11 Personen, mit einer Schülerin die eine Woche später noch zu uns gewechselt ist und mir sind wir inzwischen 13, was im Vergleich zu meinen Kursen in Deutschland immer noch winzig ist. Es ist aber total schön mit so einem kleinen Kurs (wir sind an dieser Schule übrigens auch der Kurs mit den wenigsten Schülern) und ich glaube, dass es mir das Eingewöhnen und Integrieren auch viel leichter gemacht hat. Dazu muss ich jedoch sagen, dass ich glaube, dass das Eingewöhnen in Südamerika wohl kaum jemandem richtig schwer fallen kann, weil die Menschen viel aufgeschlossener sind und jeden sofort miteinbeziehen. Mir ist auch aufgefallen, dass sich alle total gefreut haben, dass ich schon Spanisch spreche, egal wie viele Fehler in meinen Sätzen waren, ich habe von jedem nur gehört, wie toll es doch ist, dass ich schon mehr oder weniger viel sprechen und verstehen kann. Das hat mir auch die Angst vorm Sprechen genommen, die ich in Deutschland in den Spanischstunden ab und zu hatte, sobald ich unsicher war.

Meine compañeras haben mir auch gleich die ganze Schule gezeigt und mir dabei geholfen, einen Stundenplan zu organisieren. Meine erste Stunde war übrigens Philosophie und ich war total überrascht, dass ich so gut wie alles verstanden habe. So geht es mir eigentlich in den meisten Fächern, mit den Ausnahmen Lenguaje (=Spanisch) und Physik. Das liegt aber daran, dass der Spanischlehrer, wenn er nicht grade singt oder tanzt, extrem schnell spricht und seine Schrift nicht sehr leserfreundlich ist und den Versuch, in Physik etwas zu verstehen habe ich schon vor zwei Jahren in Deutschland aufgegeben 😉

Mein Schultag dauert hier von 8 Uhr bis 16:30 Uhr von Montags bis Mittwochs, Donnerstags bis 13:50 und Freitags bis 14:35. Das ist eigentlich nicht weniger als in Deutschland, obwohl ich dachte, dass ich hier weniger Unterricht hätte, dafür ist der Stoff hier viel einfacher (ich verstehe zum ersten Mal seit langem Mathe!!!) und es kommt mir so vor, als würden weder die Schüler, noch einige Lehrer den Unterricht hier als wirklich wichtig betrachten. Vor meinem Austausch habe ich auf dem Blog einer anderen Austauschschülerin in Chile gelesen, dass in ihrer Klasse jemand nach einem Englischtest einfach eine Gitarre ausgepackt hat und angefangen hat im Klassenraum Gitarre zu spielen, während seine Mitschüler noch den Test schreiben. Als ich das gelesen habe, musste ich unglaublich lachen- bis mir das gleiche in meiner Klasse passiert ist. Zwar ist mein Mitschüler aus dem Raum gegangen, da die Glastüren zu den Klassenräumen jedoch nicht so viel Lärm abhalten, hat das dem Geräuschpegel nichts abgetan.

Auch das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern ist hier ganz anders als in Deutschland. Den Umgang der Schüler mit den Lehrern würde ich als einen Mix aus freundschaftlich und respektlos bezeichnen, das scheint die Lehrer aber nicht so sehr zu stören. Mein Englischlehrer, dessen Englisch übrigens überraschend gut ist, nachdem ich gehört hatte, dass die meisten Chilenen kaum Englisch sprechen, hat sich dazu überreden lassen, mit den Schülern ein Selfie zu machen- und lasst mich gar nicht erst von meinem Spanischlehrer anfangen! 😀

Ich muss aber sagen, dass hier wirklich alle extrem nett sind und ich bin mir sicher, dass das ein großer Teil des Grundes ist, weshalb ich kein Heimweh habe.

Bald gibt’s auch noch ein Bild meiner Schuluniform und das nächste Mal schreibe ich über mein Wochenende in Viña del Mar und Valparaíso.

Übrigens gab es gestern ein kleines Erdbeben! Wir saßen grade im Haus von Freunden als jemand zu mir sagt:“ Hast du das grade bemerkt? Als der Hund angefangen hat zu bellen? Das war ein kleines Erdbeben!“ Und sofort haben auch alle weiter geredet als ob nichts gewesen wäre! Ich habe übrigens GAR NICHTS davon bemerkt.

Naja, bis bald!

Bienvenida a Chile!

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Bienvenida a Chile!

Nachtrag vom 23. und 24.08.2014
Hola a todos!
Ich schreibe heute das erste Mal aus Chile!!! Jetzt schon mal Entschuldigung dafür, dass dies hier ein sehr langer Beitrag wird, ich hoffe ihr lest es trotzdem.
Der Tag meines Abflugs hat leider sofort mit einem Abschied begonnen, denn an dem Tag war für Manu das erste Rotary Treffen mit allen Inbounds im Distrikt 1900 angesagt und das fing schon ziemlich früh an. Sie konnte mich also leider nicht mit zum Flughafen begleiten, dafür sind aber zwei meiner besten Freundinnen mitgekommen. Zum Abschied hab ich von Manu noch nen Brief bekommen, den ich aber erst im Flugzeug öffnen durfte. Vielen Dank dafür, Manu, ich hätte fast angefangen zu weinen 😥
Meine Cousine und mein Onkel waren auch noch mal da, sodass ich mich auch von ihnen für ein Jahr verabschieden konnte.
Ich musste morgens ausserdem meinen Koffer nochmal fast komplett auspacken und neu packen, da ich zwar zwei Gepäckstücke mitnehmen durfte, die durften aber zusammen nur 23kg wiegen und glaubt mir, für ein Jahr ist das extrem wenig! Allein die Gastgeschenke und Buttons für die anderen Outbounds haben schon knappe 8kg gewogen und dazu kommen dann nochmal 3kg Leergewicht des Koffers. Übrig blieben also nicht mehr als 12kg, ich musste am Flughafen später übrigens auch nochmal Sachen auspacken, da ich immer noch 2 1/2kg Übergepäck hatte, sodass einige der eigentlich dringend benötigten Winterpullover zu Hause bleiben mussten, und dass, obwohl es hier gerade noch Winter ist.
Mit gepacktem Koffer, einem Reiserucksack, meinem Handgepäck und natürlich meinem Rotary Blazer, haben wir uns dann auf den Weg nach Frankfurt a.M. gemacht, wo ich mich dann mit den anderen Outbounds aus ganz Deutschland getroffen habe.
Wir hatten noch ein wenig Zeit vor dem Abflug und haben dann noch nen Kaffee getrunken.
Dann stand aber auch schon der Abschied von meiner Mama, Oma und meinen Freunden bevor und das war wirklich nicht einfach. Ich musste fast weinen, konnte mich aber noch zusammenreißen. Auf dem Weg zur Sicherheitskontrolle hab ich mich die ganze Zeit gefragt, was ich da überhaupt mache, besonders, da ich in den letzten Tagen und Wochen vor meinem Flug große Zweifel hatte, ob ich wirklich das Richtige tue. Sobald die Familie aber außer Sicht war und ich durch die Sicherheitskontrolle gegangen war, ist dieses Gefühl verschwunden.
Bevor wir ins Flugzeug gestiegen sind, hab ich dieses Foto gemacht:
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Der Flug nach Madrid war relativ schnell und wir mussten zwar das Flugzeug verlassen, konnten aber nach ca. 20 Min. wieder in das Gleiche einsteigen. Der Flug nach Santiago de Chile war da schon was anderes, denn wir sind ca.16 Stunden geflogen. Für mich, deren längster Flug ne Stunde nach London war, war das zwar zunächst sehr aufregend, dann aber auch schnell langweilig.

Kurz vorm Landen hingen wir dann alle an den Fenstern. Es war zwar noch dunkel, da wir so gegen 7 Uhr morgens gelandet sind und es in Chile noch Winter ist, also erst später hell wird, aber der Blick auf Santiago war einmalig und erst da wurde mir klar, wie riesengroß diese Stadt wirklich ist. Wir mussten dann alle noch durch die Passkontrolle, wo wir auch unsere Visumsunterlagen vorzeigen mussten und natürlich durch die Sicherheitskontrolle. Da sahen wir aber schon eine riesige Menge an Menschen mit Plakaten, die uns zuriefen, als sie sahen, dass wir die deutschen Austauschschüler waren.

Ich bin dann also total aufgeregt auf diese Menschenmasse zugegangen, immer nach einem bekannten Gesicht oder einem Plakat mit meinem Namen suchend, fand aber keines. Auch nach dreimaligem Hin- und Herlaufen war meine Gastfamilie nirgends zu sehen. Die riesige Vorfreude schlug dann auch ziemlich schnell in Angst um, da ich mir meine Ankunft in meiner Heimat auf Zeit so bestimmt nicht vorgestellt hatte. Nach 18 Stunden Flug und einem wahren Gefühlscocktail wollte ich eigentlich nur noch meine Gastfamilie kennenlernen und dann mein neues Zuhause erkunden. Um mich herum sah ich nur die anderen Austauschschüler, die ihre Gastfamilien schon gefunden hatten und mit Plakaten und Ballons und allem drum und dran empfangen wurden. Dann kam aber ein Rotarier auf mich zu, der mich fragte:“ Bist du Gianna?“ (Ich muss noch dazu sagen, dass hier niemand meinen Namen richtig aussprechen kann, also bin ich entweder Janna oder in der Schule werde ich von den Lehrern meistens Joanna genannt, aber daran habe ich mich in zwischen gewöhnt). Als ich dem Mann dann zustimmte, meinte er zu mir, dass er meine Gastfamilie gesehen habe und die mich bereits suchte. Ich hab dann also gespannt dort gewartet und dann sah ich auch schon jemanden mit einem grünen Plakat auf mich zukommen. Ein bekanntes Gesicht! Meine Gastmutter! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie überglücklich und erleichtert ich war! Hinter ihr kam dann noch eine Frau dazu, die beste Freundin meiner Gastmutter, bei der ich auch die ersten Tage gewohnt habe, da meine Gastmutter arbeiten musste und nicht wollte, dass ich den ganzen Tag alleine im Haus bin.

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Nach dem ersten Kennenlernen und unzähligen Fotos mit dem YEO und den anderen Austauschschülern in San Antonio, verließen wir also das Flughafengebäude und ich sah sofort den ersten chilenischen Straßenhund. Die sind hier wirklich überall, sind Menschen gegenüber aber erstaunlich freundlich, wie es scheint, sind sie aber keine großen Fans von Autos, da man immer wieder sieht, dass die Hunde versuchen, in sämtliche Teile des Autos zu beissen.

Das zweite was ich dann gesehen habe, waren die Anden! Ich war total sprachlos, da ich zwar wusste, dass Santiago in der Nähe der Anden liegt, aber ich wusste nicht, dass man einen so tollen Blick hat.

erster Schritt außerhalb des Flughafens in Santiago- erster Blick auf die Anden

erster Schritt außerhalb des Flughafens in Santiago- erster Blick auf die Anden

Die Anden sind in Chile einfach allgegenwärtig, genauso wie das Meer, wie ihr in den nächsten Posts und auch bei den Bildern feststellen werdet, aber genau deswegen war Chile mein erstes Wunschland- es ist so vielfältig und so wunderschön! Seitdem ich hier bin, habe ich meine Länderwahl kein einziges Mal bereut und ich glaube auch nicht, dass ich das jemals tuen werde.

So, das war jetzt erstmal alles zu meinem Abschied in Deutschland und meiner Ankunft hier in Chile.

Da ich im Moment ne Woche Ferien habe, da der Nationalfeiertag am 18.09. vor der Tür steht, und ich definitiv genug Material zum Schreiben habe, hoffe ich, dass ich bald schon wieder was posten kann.

Bis dahin: Saludos desde Chile y que estéis bien!